Höfers Radioaktivität entsteht bei Müllverbrennung
Arbeitskreis wünscht sich nur Anlieferung von Wasser und Salz
Nach der Aufregung 2008 wird den wieder aufgenommenen Salzlauge-Lieferungen aud der Asse in Höfer mit geringeren Vorbehalten begegnet. Doch restlos zufrieden ist der im vergangenen Jahr ins Leben gerufene Arbeitskreis Höfer nicht, denn die Laugen aus der Rauchgaswäsche enthalten unerwartet viel Tritium.
Von Joachim Gries
HÖFER. Seit der vergangenen Woche wird wieder Salzlauge, aus der Asse im stillgelegten Bergwerk Mariaglück Höfer eingelagert. Durch das neue Laugen-Management untertage im Atommüll-Endlager Asse wurde die radioaktive Belastung der Salzwässer durch Tritium auf rund 50 Becquerel pro Liter gesenkt, vor dem Transportstopp im vergangenen Sommer waren es etwa 200 Becquerel pro Liter. Doch die Freude in Höfer ist nicht ungetrübt, denn andere Laugen, die im Bergwerk verschwinden, weisen höhere radioaktive Belastungen auf.
Das Untersuchungsergebnis überraschte Experten und Laien gleichermaßen: In den Salzlaugen, die aus der Rauchgaswäsche von Müllverbrennungsanlagen stammen, ist Tritium mit bis zu 600 Becquerel pro Liter enthalten. Das stellte der TÜV Nord, der neben dem Arbeitskreis Höfer untertage im Bergwerk Mariaglück Proben gezogen hatte, bei seinen Analysen fest. Die Tritium-Belastung in Höfer lag über der im Bergwerk Asse mit dem Atommüllendlager im gleichen Salzstock. ?Zwei- bis dreimal mehr Tritium als in der Asse wurde hier festgestellt", sagt Jochen Dünnwald vom Arbeitskreis Höfer. Dabei habe man vor allem wegen der Verdünnung mit Aschauwasser in Höfer mit einer geringeren Tritium-Konzentration gerechnet.
Doch dem war nicht so. Als der TÜV die in Höfer gesammelten Rückstellproben anderer Anlieferer analysierte, wurde die Ursache festgestellt. Die Initiative erfuhr von den Zahlen bei einem Gespräch im Umweltministerium in Hannover im Januar. ?Vom Gesetz oder von der Strahlenschutzverordnung her gelten die Laugen als nicht radioaktiv belastet", stellt Dünnwald klar. Der Freigabewert liegt bei 140000 Becquerel pro Liter.
?Mit der Erkenntnis hat keiner gerechnet", sagt auch Ulrich Göbel, Pressesprecher von K+S in Kassel. Sein Unternehmen sei intensiv mit den Betreibern der Müllverbrennungsanlagen ins Gespräch gegangen. Dass sie ihre Arbeitsprozesse jetzt umstellten, glaube er eher nicht. Auch Göbel stellt fest, dass die Belastung deutlich unter der Freigabegrenze liegt. Die Laugen würden weiter angenommen, da sie sich aufgrund ihrer hohen Sättigung gut für die Flutung von Mariaglück eigneten.
Wegen dieser Laugen soll es ein weiteres Gespräch im Umweltministerium in Hannover geben, terminiert ist es noch nicht. Dünnwalds Wunsch steht fest: ?Am liebsten hätten wir nur Lauge, die nichts enthält als Wasser und Salz."
Die Analyse der Rückstellproben ergab: Auch die Laugen aus der Rauchgaswäsche enthalten Tritium.Archivfoto: Gries