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Altes Problem oder hypothetische Debatte? Die Asse gerät weiter in Bewegung
Umweltministerium: Decke könnte einstürzen / Höferaner Bürgerinitiative: Für dumm verkauft

Asse und kein Ende: Noch vor Beginn der ersten Laugen-Transporte aus dem Atommülllager in das Bergwerk Mariaglück in Höfer tragen Äußerungen aus dem Umweltministerium wenig dazu bei, dass sich am Misstrauen gegenüber der Asse und ihren Laugen in der betroffenen Gemeinde Wesentliches ändert: ?Man will uns für dumm verkaufen", meint der ?Arbeitskreis Mariaglück".

Von Elke Frenzel

HÖFER. Auch wenn die Halbwertszeit von Politiker-Aussagen, im Zeitalter der Mediendemokratie rasant gesunken ist, reagiert man auf diese in Höfer mittlerweile äußerst sensibel.
Dazu beigetragen haben besonders die Verlautbarungen, die Bundesumweltminister Sigmar Gabriel während seiner letztjährigen Sommerreise beiläufig zum Thema ?kontaminierte Lauge" von sich gegeben hatte. Sie offenbarten in der Folge die ganze Malaise der Informationspolitik der ehemaligen Betreiber des Atommülllagers _ Asse, dem Münchener Helmholtz-Zentrum, und schürten in Höfer das Misstrauen gegenüber Laugentransporten in das Bergwerk Mariaglück.
Am Donnerstag nun konnte der Leiter des Referats Endlagerung beim Niedersächsischen Umweltministerium, Joachim Bluth, mit den Worten vernommen werden, dass die Decke der so genannten Kammer 4 in der Asse jederzeit einstürzen könnte. Dies könnte zur Folge haben, dass die Menge der täglich in den Schacht einfließenden Zutrittswässer von derzeit 10 bis 12 Kubikmeter auf 100 oder 200 Kubikmeter ansteigen, könnte. Für den Sprecher der Höferaner Bürgerinitiative ?Arbeitskreis Mariaglück", Dirk Gloede-Wiegard, bedeutet diese Aussage zunächst nur: ?Man will uns für dumm verkaufen." Was solch ein Anstieg der Laugen menge für Höfer als Asse-Laugenabnehmer wider Willen heißen könnte, lässt sich an fünf Fingern abzählen. - Wenn man sich die Aussage von Wolfram König - Präsident des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), dem neuen Asse-Betreiber - in Erinnerung ruft, die er während der Informationsveranstaltung in Höfer tätigte: Es gäbe, außer der Verbringung nach Mariaglück, ?derzeit keinen Weg, der gangbar wäre, um die Lauge anders los zu werden." Von vermehrten Laugentransporten nach Höfer könne indes nicht die Rede sein. Bluth habe lediglich ?das Worst-case-Szenario" beschrieben, sagt die Sprecherin des Umweltministeriunis. Die Problematik sei schlichtweg die ?Mechanik" im Gebirge der Asse, ?das war aber ohnehin bekannt", so die Sprecherin weiter.
Als ?völlig hypothetische Debatte" bezeichnet das BfS indes die Äußerungen aus Hannover. Man habe mit der Asse ein ?marodes altes Bergwerk", das es zu sichern gelte. Dass Nieder Sachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander dem BfS in der Angelegenheit vorwarf, nicht früher öffentlich Stellung zur maroden Kammer 4 zu nehmen, ist aus Sicht der Strahlenschützer ?merkwürdig": ?Sanders Ministerium war schließlich bis zum Jahresende die Aufsichtsbehörde der Asse", so ein Sprecher des BfS.
Für Gloede-Wiegard steht indes nur fest: ?Wenn in der Asse irgendetwas passiert," kriegen wir hier mehr ab, als uns lieb ist." Der Arbeitskreis hat daher Einsicht in den Betriebsplan Mariaglücks genommen, um ein möglichst klares Bild der Situation zu gewinnen. Bereits am nächsten Dienstag könnte der Arbeitskreis erste Erkenntnisse präsentieren - und eigene Aussagen treffen.