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Bundesamt für Strahlenschutz wirbt für Vertrauen
Laugentransporte nach Mariaglück sollen wieder aufgenommen werden
ESCHEDE/HÖFER (cm). Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informierte vergangenen Mittwoch Politik, Verwaltung und Bürger in Höfer darüber, dass es wieder Laugenwasser in den Schacht Mariaglück bringen wolle.
Dazu war der Präsident des Amtes, Wolfram König, am vergangenen Mittwoch selbst aus Berlin gekommen, um sich den Fragen zu stellen und damit auch Vertrauen wiederherzustellen. Zu Beginn des Jahres hatte das BfS die Betriebsführung der Schachtanlage Asse II übernommen. Asse II ist ein ehemaliges Salzbergwerk, in dem seit 1967 schwach- und mittelschwache radioaktive Abfälle eingelagert wurden, und in dem nun durch eindringendes Wasser Probleme aufgetaucht sind. Es geht um rund zwölf Kubikmeter Wasser pro Tag, das von oben eindringt und, wie König in einer Pressekonferenz erläuterte, zum größten Teil (rund zehn Kubikmeter pro Tag) lange vor der Stollen mit den radioaktivem Abfall abgefangen werde - und nur um dieses Wasser gehe es bei den Transporten nach Höfer. Dass man darin trotzdem Radionuklide messe, läge nach neuen Erkenntnissen an der Luft im Schacht. In den Auffang-/Lagerungsbecken unter Tage reichere es sich beispielsweise mit Tritium pro Tag um vier Becquerel pro Liter an. Eine Konsequenz daraus sei für den neuen Betreiber, dass man dieses Wasser nun nur noch unter Tage in gut belüfteten Stollen beziehungsweise über Tage lagere.
Tritium entstehe nicht in der Natur, sondern nur in kerntechnischen Einrichtungen, erläuterte König. Nach den Strahlenschutzbestimmungen sei ein Wert von 140.000 Becquerel pro Liter Tritium auf den Standort Höfer berechnet als Maximalwert vertretbar, der aber in der Praxis weit unterschritten werden. Bisherige Transporte seien mit rund 200 Becquerel pro Liter belastet gewesen, künftige sollen nur noch mit 40 Becquerel pro Liter belastet sein, was jeweils in einem besonderen Freigabeverfahren vor dem Abtransport in Asse II überprüft werden soll.
Das Bundesamt für Strahlenschutz betreibt die Anlage nun unter den schärferen atomrechtlichen Bestimmungen und will, wie es dies bereits in Morsleben geschafft hat, auch Asse II sanieren. Ziel ist es, die Wassereinsickerungen von außen zu unterbinden, indem man an den entsprechenden Stellen den Salzstock wieder festigt. Wann - und ob - man dies erreichen könne, könne man derzeit noch nicht sagen. Schon viel geholfen sei ihnen, wenn man für zwei Jahre diese Lauge in den Schacht Mariaglück in Höfer einleiten könne, sagte König zur zeitlichen Perspektive. Es müsse aber auch schon bald losgehen, denn ab Mitte Januar seien die Lagerkapazitäten auf den Asse II-Gelände erschöpft - und Alternativen zu Mariaglück habe er nicht.
Entscheidend dafür ist im Prinzip allein die Frage, ob man mit der Kali+Salz AG als Betreiber von Mariaglück einen Vertrag für die Abnahme schließen könne. Während die Vertreter von Kali+Salz sich in der Podiumsdiskussion am vergangenen Mittwoch noch bedeckt hielten, habe das Unternehmen mittlerweile signalisiert, dass es unter den neuen Bedingungen bereit dazu sei, berichtete Werner Nording, Pressesprecher der BfS am Freitag.
Und ein wichtiges Ergebnis der Podiumsdiskussion sei, dass der Arbeitskreis Mariaglück in Höfer bereit sei, bei der Anlieferung in Höfer Proben aus den Tankwagen zu ziehen. Denn um Vertrauen aufzubauen, setze man sich für Transparenz vor Ort ein.
Andererseits blieben auch Fragen offen. So hatten der Arbeitskreis und der TÜV Nord Proben in Mariaglück selbst genommen, die wie Dr. Jochen Dünnwald, in der Podiumsdiskussion berichtete, zum Bespiel andere Tritium-Werte aufwiesen, als die in den Rückstellproben der einzelnen Transporte nachgewiesenen. Sie lägen zwar immer noch weit unter den strahlenschutz-rechtlich zulässigen Werten, aber man habe Proben gefunden, die, obwohl sich die Lauge mit den frisch eingeleiteten Aschauwasser vermischt haben müsse, höhere Werte für Tritium aufweisen, als sie in den Rückstellproben gemessen wurden. Das habe auch bei der Podiumsdiskussion keiner erklären könne - obwohl die Ergebnisse teilweise seit Ende Dezember bekannt seien.
Insofern war die Veranstaltung für die Einwohner von Höfer unbefriedigend, meinten Wolfgang Vogt vom Arbeitskreis Mariaglück und Höfers Bürgermeister Michael Cruse. Das BfS habe aber zugesagt, die Widersprüche bei diesen Werten zu klären, betonte Cruse. Die Auswirkungen nicht nur für das Image von Höfer blieben aber bestehen. Und deshalb werde man weiter Protest erheben! und das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen, denn nur schimpfen nützt nichts, meinte Höfers Bürgermeister.
Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (links), im Gespräch mit Wolfgang Vogt vom Arbeitskreis Mariaglück in Höfer.Fotos: Maehnert
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