zurück
Strahlenschutz mit schwerem Stand: "Wir wollen hier keine Lauge mehr" / Neuer Asse-Betreiber wirbt in Höfer um Vertrauen: "Mariaglück ist keine Endlösung"

Eine neue Informationspolitik kündigte Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, hinsichtlich der Transporte von Asse-Lauge in den Schacht Mariaglück in Höfer während einer Informationsveranstaltung an. Dazu zählt auch die Erlaubnis, die Lauge von unabhängigen Gutachtern beproben zu lassen. Trotz dieser Aussage und trotz der Aussicht, die Transporte auf eine Dauer von zwei Jahren zu befristen, herrscht in Höfer tiefes Misstrauen.

Von Eike Frenzel

HÖFER. Es bedurfte nicht erst der wütenden Zwischenrufe "Atommafia" aus dem Publikum, um Wolfram König die Brisanz des Abends vor Augen zu führen. "Ich kann verstehen, dass bei Ihnen eine - vorsichtig formuliert - große Zurückhaltung herrscht", sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) während der Informationsveranstaltung in Höfer zur Wiederaufnahme von Laugentransporten aus dem Atommülllager Asse in das Bergwerk Mariaglück.
Seit dem 1. Januar ist das BfS Betreiber der Asse ist und muss sich damit nicht allein um die Langzeitsicherheit von 125000 Fässern schwach- und mittelradioaktiven Abfalls in der Schachtanlage kümmern, sondern auch um den Verbleib der rund zwölf Kubikmeter Wasser, die täglich in das Bergwerk einfließen. Diese sollen spätestens Ende des Monats wieder nach Höfer transportiert werden, da die Auffangkapazitäten in der Asse bis zum 15. Januar "erschöpft" seien, wie König erklärte. Dass es sich bei diesen "Eintrittswässern" aufgrund eines neuen Laugenmanagements um Salzlösung handele, die "keine Gefahr für Mensch und Umwelt" darstellt, veranschaulichte König im Rahmen einer Präsentation: 40 Becquerel pro Liter solle die Konzentration des radioaktiven Elements Tritium in den Eintrittswässern der Asse durch ein neues Verfahren betragen; die gesetzliche Freigrenze beträgt 140000 Becquerel pro Liter.
Für die Bewohner Höfers waren diese Ausführungen indes ein schwacher Trost. Auch wenn König seine Mission mit den Worten "verlorenes Vertrauen zurückgewinnen" und "Transparenz zeigen" umschrieb - "Eine Beruhigung ist nicht eingetreten", brachte Bürgermeister Michael Cruse die Stimmung vor Ort auf den Punkt. "Es gibt hier viele Ängste", so Cruse. Zu denen zählt der offensichtliche Imageverlust, den die Gemeinde Höfer durch die Pannen des vorherigen Asse-Betreibers erlitten hat, ebenso wie ein fundamentales Misstrauen innerhalb der Bevölkerung gegenüber der vom BfS attestierten Bedenkenlosigkeit der Salzlaugen. Jochen Dünnwald von der Bürgerinitiative ?Arbeitskreis Mariaglück? betonte: "Es fällt uns schwer, eine Diskussion zuzulassen, weil unser Vertrauen wegen der schlechten Informationspolitik weg ist." Unter dem Applaus des Publikums fügte er an. "Wir wollen keine Lauge mehr nach Mariaglück haben."
Dieser Wunsch wird sich in nächster Zeit wohl nicht erfüllen lassen, wie König unterstrich: "Es gibt derzeit keinen Weg, der gangbar wäre, um die Lauge anders los zu werden." Immerhin versicherte König der Bürgerinitiative, dass sie selber Proben auf Kosten des BfS in Mariaglück entnehmen und in einem Labor ihrer Wahl untersuchen lassen könne. Außerdem stellte er in Aussicht, weiter nach Lösungen für den Verbleib der Asse-Laugen suchen und die Transporte nach Höfer zeitlich begrenzen zu wollen. "Mariaglück kann keine Endlösung sein, deswegen halte ich zwei Jahre für einen angebrachten Zeitraum", erklärte König.