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Forum gegen Atomenergie: Erst restlose Aufklärung – dann Kontrolle durch Greenpeace

"Bevor nicht alle noch offenen Fragen plausibel geklärt sind, wenden wir uns ent-schieden gegen die Wiederaufnahme von Laugentransporten aus der Asse nach Höfer." Das ist Position des Celler Forum gegen Atomenergie. Erst sei die Bevölkerung vor Ort überhaupt nicht informiert worden, deshalb hätte sie jetzt einen Anspruch auf restlose Aufklä-rung. Es gilt nach Auffassung der Initiative festzuhalten, dass die jetzt präsentierten Freiga-begrenzwerte erst im Nachhinein berechnet wurden. Offiziell gäbe es weiter keine plausible Erklärung für die gravierende Mengendifferenz zwischen in der Asse aufgefangener und abgegebener Lauge: "Dokumentation und Kontrolle hat restlos versagt." Vor diesem Hinter-grund sei Misstrauen die erste Bürgerpflicht: Die Salzlösungen kämen schließlich nicht aus irgendeinem beliebigen Bergwerk, sondern sammeln sich in einem Atommülllagers.
Auch wenn die Verfüllung von Asse-Laugen im Schacht Mariaglück nur ein Randaspekt der Atomwirtschaft sei, zeige sich: "Wie soll man allen Ernstes Vertrauen in die Sicherheit des Betriebs von Atomanlagen haben, wenn nicht einmal dies vernünftig kontrolliert wird? Wenn beim Atommüll eine Sicherheit für eine Million Jahre für erforderlich gehalten wird, kann man doch jenen nicht vertrauen, die nicht einmal in der Lage sind, Vorgänge der letzten fünf Jahre aufzuklären." Der sofortige Ausstieg aus der Atomenergie sei eben auch deshalb erforderlich, um nicht weiteren Atommüll zu produzieren, für den es keine sichere Endlagerung gäbe.
Selbstverständlich wolle man nicht, dass die Asse regelrecht absäuft, sondern dass im Gegenteil die Option der Rückholbarkeit des Atommülls aus dem heute schon maroden Lager bestehen bleibt. Deshalb müssten die aufgefangenen Salzlösungen raus. Für eine Wiederaufnahme der Transporte nach Höfer aber müsse sichergestellt werden, dass Mes-sungen der Radioaktivität nicht nur beim Abtransport, sondern erneut in Höfer vorgenom-men würden. Und da die Behörden jegliches Vertrauen verspielt hätten, fordert die Initiative: "Greenpeace soll - bezahlt vom Betreiber - unregelmäßig und unangemeldet Messungen am Verfüllungsstandort vornehmen."
Auch die Kreisverwaltung sieht die Bürgerinitiative in der Pflicht. Anfang August war zu hören, man habe keine Kenntnis von weiteren Schadstoffeinlagerungen in Mariaglück. Wenige Tage später wurde bekannt, dass Laugen aus der Rauchgaswäsche von Müll-verbrennungsanlagen in einer Dimension von rund 100.000 m³ verfüllt worden sind. Auch hier gelte: "Bevor nicht Aufklärung geschaffen wird, erwarten wir einen Stopp weiterer Anlie-ferungen."
Die Initiative befürchtet, dass Höfer bei der Wiederaufnahme von allen mögliche Standorten die höchste Priorität genießt. Das ergäbe sich aus den bei der Ingenieurgesellschaft Brenk Systemanalyse Aachen in Auftrag gegebenen Gutachten, die eine Risikoab-schätzung zunächst nur für Höfer erstellen sollte. "Wir finden es erstaunlich, dass die wich-tige Fragen, ob, wann und unter welchen Voraussetzungen die Transporte nach Höfer wiederaufgenommen werden, im Umweltausschuss des Kreistages nicht thematisiert wurden."

Celle, 20.11.2008