Im Schacht sollen Proben gezogen werden Fehler bei Informationspolitik eingeräumt
Experten erläutern Untersuchungsergebnisse der Rückstellproben im Atommüll-Endlager

"Was ist im Schacht?", diese Frage sollte die Bürgerversammlung am Montag in Höfer beantworten. Doch die Diskussion drehte sich nicht nur um die 7208 Kubikmeter Asse-Lauge, die im stillgelegten Schacht Mariaglück eingelagert wurden, es ging auch um die grundsätzliche Gefährdung durch die Atomindustrie oder um Sinn und Zweck der Flutung stillgelegter Bergwerke. Die Zweifel blieben, auch wenn für die Zukunft mehr Transparenz und die Entnahme von Proben im Schacht vereinbart wurde.

Von Joachim Gries

HÖFER. "Das ist eine ganz ernste Informationsveranstaltung. Dass hier jemand gelangweilt ist, muss ich zurückweisen." In scharfem Ton reagierte Stefan Birkner, Staatssekretär aus dem Nieder sächsischen Umweltministerium, auf den Vorwurf aus dem Publikum, die Experten auf dem Podium würden die ganze Angelegenheit nicht ernst nehmen und was in Höfer ablaufe, sei reine Verarschung.

Birkner hatte zuvor mit Experten aus seinem Hause, mit Lothar Lohff, Präsident des Landesamtes für Bergbau und Energie und mit Detlef Beltz vom TÜV Nord die Untersuchungsergebnisse von Rückstellproben der Laugen, die seit 2006 nach Höfer transportiert worden waren, in Wort und Bild vorgestellt. In keinem Fall hätten die Messwerte die Freigabewerte auch nur annähernd erreicht. "Der TÜV hat auch Proben innerhalb des Bergwerkes Asse untersucht. Keine Lauge war oberhalb der Grenzwerte belastet", sagte Lohff. Letzte Ergebnisse stünden allerdings noch aus.

Klaus Rumphorst, Leiter Inaktive Werke der K+S Aktiengesellschaft, sagte, sein Unternehmen habe sich auf die Rückstellproben verlassen, die in der Asse entnommen wurden. In Höfer stünden für Radioaktivität keine Messeinrichtungen zur Verfügung. Zwei Euro erhalte sein Unternehmen für jede Tonne Lauge, sagte Rumphorst. Die Tanklastzüge, die in diesen Tagen den Schacht in Höfer anfahren, würden Laugen aus der Rauchgaswäsche von Müllverbrennungsanlagen anliefern.

Ob erneut Asse-Lauge nach Höfer kommt, ist offen. Zwölf Kubikmeter anfallende Lauge pro Tag seien auf Dauer auf der Asse nicht zu halten, sagte Birkner. Der Betreiber müsse eine Genehmigung zum Abtransport beantragen, die dann das Ministerium prüfe. Ein Antrag liege noch nicht vor. "Ich kann Ihnen im Moment nicht sagen, es kommt nichts nach Höfer", stellte Birkner klar.

"Dass ich keine Lauge aus der Asse mehr hier haben möchte, ist kein Geheimnis", sagte Höfers Bürgermeister Michael Gruse. Der Vertrauensverlust in der Bevölkerung sei mit der Veranstaltung deutlich geworden, sagte Gruse. Lohff hatte von einem Fehler seines Hauses gesprochen, die Öffentlichkeit nicht über die Verbringung der Asse-Lauge in andere Bergwerke informiert zu haben.

Rumphorst machte das Angebot, mit Einwohnern aus Höfer das Bergwerk zu befahren und untertage Proben zu nehmen, die dann analysiert werden sollten. "Wir würden das unterstützen", sagte Lohff. Die Proben sollten nicht nur auf Radioaktivität überprüft, sondern auch unter anderen Gesichtspunkten analysiert werden. "Wir haben ein Interesse an Transparenz, wir nehmen Anregungen gern entgegen", sagte Lohff.

Rumphorst sprach sich auch für jährliche Statusberichte aus, die über den Fortschritt der Flutung des Bergwerks informierten. Derzeit seien von 5,4 Millionen Kubikmeter Hohlraum etwa 1,6 Millionen geflutet, überwiegend mit Aschauwasser, rund 100000 Kubikmeter durch angeliefert Lauge, darunter die 7000 Kubikmeter aus der Asse.