Misstrauen in Höfer ist groß / Was ist wirklich in der Asse-Lauge? / Einwohner lehnen Wiederaufnahme der Transporte nach Mariaglück strikt ab
Zwischen 2006 und Juni 2008 sind 7208 Kubikmeter Lauge aus dem Atommüll-Endlager Asse bei Wolfenbüttel zur Einlagerung ins stillgelegte Bergwerk Mariaglück in Höfer gebracht worden. Höfers Bürger wollen wissen, wie stark radioaktiv belastet die Lauge tatsächlich ist.
Von Joachim Gries
ESCHEDE. Wie belastet ist die Lauge aus dem Bergwerk Asse wirklich, die seit 2006 in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück in Höfer transportiert wurde? Nachdem immer neue Details über die Zustände im Atommüll-Endlager bei Wolfenbüttel bekannt wurden, steht in Höfer die mögliche Gefährdung durch 7208 Kubikmeter Lauge im Vordergrund. Doch eine klare .Antwort konnte auch Udo Dettmann von der Bürgerinitiative "Koordinationskreis Asse" nicht geben, der am Mittwoch in Eschede auf Einladung des "Celler Forums gegen Atomenergie" rund 80 Zuhörern berichtete.
Dettmann machte deutlich, dass von Beginn an kritische Stimmen zur Sicherheit der Asse ignoriert worden seien. Stück für Stück komme jetzt heraus, wie unverantwortlich der Betreiber in den vergangenen Jahrzehnten mit den Risiken umgegangen sei. Schlampige Dokumentation, Vertuschung auftretender Probleme und Versagen der Kontrollinstanzen ließen die tiefe Beunruhigung der Bevölkerung vor Ort verständlich werden, so Dettmann.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Rolf Meyer aus Nienhof kommentierte in Eschede die ihm durch den Umweltausschuss des niedersächsischen Landtags bekannt gewordenen Schlampereien dahingehend, dass man dem Betreiber, nicht mehr trauen könne. Meyer hatte am Montag das Bergwerk Asse mit dem Umweltausschuss besucht.
Das Misstrauen teilen inzwischen auch viele Einwohner in Höfer, die sich an der Diskussion beteiligten. Warum solle man den Aussagen des Helmholtz-Zentrums glauben, dass die nach Höfer transportierte Lauge nicht radioaktiv belastet sei? Dettmann stellte die Frage, warum in der auf der 658-m-Sohle gesammelten Lauge das radioaktive Tritium gemessen werde, es aber nicht mehr nachgewiesen wird, nachdem die Lauge herausgepumpt wurde?
Die Wiederaufnahme der Laugentransporte von der Asse nach Höfer lehnten die meisten Veranstaltungsteilnehmer am Montag strikt ab. Die wird es auch so schnell nicht geben, denn nach dem am Montag vorgelegten Statusbericht des Umweltministeriums dürfen Laugen erst dann wieder an andere Bergwerke abgegeben werden, nachdem in umfassenden Analysen bestätigt wurde, dass diese nicht radioaktiv kontaminiert sind. "Bisher haben sich keine Hinweise darauf ergeben, dass durch die bisherigen Abgaben der Lauge Gefahren für Menschen und Umwelt bestanden haben", heißt es in dem Bericht.
[Bildunterschrift:] Durch diese Leitung floss die Asse-Lauge in das Bergwerk Mariaglück in Höfer. Ulrich Argut, Betreuer der Flutungsprojekte bei K+S, an der Armatur. Foto: Gries