Info-Veranstaltung zur Asse-Lauge in Eschede / Der "Supergau in der Endlagerfrage" und seine Nebenwirkungen in Höfer
Pressemitteilung des Froum gegen Atomenergie
Dass man den Betreibern von Atomanlagen absolut nichts mehr glauben könne, war das erschütternde Fazit, das die meisten der rund 80 Besucher einer Veranstaltung zum Endlager Asse II und dem Problem der von dort nach Höfer transportierten Laugen mit nach Hause nahmen. Das Celler Forum gegen Atomenergie hatte Udo Dettmann von der Bürgerinitiative "Koordinationskreis Asse" nach Eschede eingeladen. In seinem fachkundigen Vortrag ging der Diplom-Ingenieur auf alle Fragen ein, die in den letzten Wochen zu den vernichtenden Urteilen über den verantwortlichen Betreiber der Asse II, das Helmholtz Zentrum München, und die zuständigen Kontrollinstanzen geführt haben.
Von 1967 bis 1978 wurden in das ehemalige Salzbergwerk Asse II im Landkreis Wolfenbüttel 125.000 Fässer mit schwachradioaktivem und 1.300 Fässer mit mittelradioaktivem Müll aus Atomkraftwerken und der Kernforschungsanlage Karlsruhe eingelagert. Die Einlagerung wurde nach Bergrecht genehmigt und als "versuchsweise nicht rückholbare Endlagerung? deklariert. Die Lagerung wurde stets als "absolut sicher? bezeichnet, obwohl die benachbarten Bergwerke schon vor Jahrzehnten abgesoffen waren. Seit 20 Jahren wird ein permanenten Laugenzufluss aus dem Neben- und Deckgebirge registriert, weshalb die Standsicherheit nur noch bis zum Jahr 2014 garantiert werden kann. Stürzen dann einzelne Kammern oder das gesamte Bergwerk ein, kann das radioaktive Inventar der Fässer, darunter auch das Potenzial von über 11 kg Plutonium, innerhalb kürzester Zeit in das Grundwasser gelangen.
Udo Dettmann machte deutlich, dass von Beginn an kritische Stimmen zur Sicherheit der Asse ignoriert wurden. Und Stück für Stück komme jetzt heraus, wie unverantwortlich der Betreiber in den vergangenen Jahrzehnten mit den Risiken umgegangen sei. Die Beispiele schlampiger Dokumentation, von Vertuschung der auftretenden Probleme, des Versagens der Kontrollinstanzen, die der Referent vorbrachte, lassen die tiefe Beunruhigung der Bevölkerung vor Ort verständlich werden. Der auf der Veranstaltung anwesende Landtagsabgeordnete Rolf Meyer (SPD) kommentierte diese ihm durch den Umweltausschuss bekannt gewordenen Schlampereien dahingehend, dass man dem Betreiber nicht mehr trauen könne.
Dies war auch der Knackpunkt vieler Wortbeiträge der Besucher zu den in den Schacht Mariaglück transportierte Laugen. Warum solle man den Aussagen des Helmholtz Zentrums glauben, dass die Lauge nicht radioaktiv belastet sei? Auch Udo Dettmann stellte die Frage, warum in der auf der 658-m-Sohle gesammelten Lage das radioaktive Tritium gemessen werde, es aber nicht mehr nachgewiesen wird, nachdem die Lauge herausgepumpt wurde? Eine nachvollziehbare Begründung habe er bisher hierzu nicht gehört. Und die im Auffangbecken gemessene Belastung von 640 Bq/l hätte man bis zur Erhöhung der Grenzwerte im Jahr 2001 durchaus als nennenswertes Problem einordnen können.
Zu den nach Höfer verbrachten Asse-Laugen mussten viele Fragen offen bleiben, weil das Helmholtz Zentrum bis heute keine überprüfbaren Daten vorgelegt hat, wie auch Höfers Bürgermeister Michael Cruse (SPD) kritisierte. So mag es kaum verwundern, dass eine Wiederaufnahme der Transporte von den meisten Veranstaltungsteilnehmer strikt abgelehnt wird. Und es wurde die Bildung eines Arbeitskreises angeregt, um die erforderliche Aufklärung einzufordern und die Situation um Mariaglück weiter im Blick zu haben.
Die Realität übertrifft scheinbar die schlimmsten Befürchtungen. Dass über Jahrzehnte völlig unverantwortlich mit hochgiftigem und zum Teil hochradioaktiven Stoffen hantiert wurde, erstaunte selbst die Atomkraftgegner vom "Celler Forum gegen Atomenergie". Aus Asse zu lernen könne deshalb nur heißen, auf Gorleben zu verzichten, so die Forderung der veranstaltenden Initiative. Das Problem des Atommülls sei neben dem Risiko des Betriebs von Atomanlagen zum zentralen Argument gegen jede weitere Nutzung der unbeherrschbaren Technologie geworden.