Kommentar
Schlampereien im Atommüll-Lager Asse / Katastrophale Zustände
Der Wirbel um das Atommüll-Lager Asse in Niedersachsen ist keine Kleinigkeit, sondern ein handfester Skandal. Es geht nicht nur darum, dass radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangt sind. Es geht auch darum, dass brisante Informationen verheimlicht wurden - und das seit vielen Jahren. Das Landesbergbauamt als Genehmigungsbehörde und das Helmholtz-Zentrum als Betreiber des Forschungsbergwerkes im Kreis Wolfenbüttel haben Schlampereien bei der Einlagerung von radioaktivem Müll dem niedersächsischen Umweltministerium jahrelang vorenthalten. Sie haben sich dadurch als untragbar erwiesen.
Dieser Gesetzesverstoß ist keine Lappalie. Es geht um die Unterschlagung wichtiger Erkenntnisse, die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bürger haben könnten. Unter diesen Umständen muss die Aufsicht über das Salzbergwerk den derzeitigen Verantwortlichen entzogen werden.
Der jetzt vorgelegte Zwischenbericht zu den katastrophalen Zuständen in der Asse macht darüber hinaus deutlich, dass die Entsorgungsfrage überhaupt nicht geklärt ist. Die Umweltbedingungen in dem Salzbergwerk Asse nähren Zweifel an der Eignung des Salzstockes Gorleben für eine dauerhafte Lagerung von Atommüll. Doch die Erkundung im Wendland liegt auf Eis. Sie muss fortgesetzt werden, damit endlich Klarheit herrscht.
Kritiker befürchten, dass Gorleben zum ?Atom-Klo" der Nation werden könnte. Doch solange noch Kernkraftwerke in Betrieb sind, muss die Frage geklärt werden, wo der Atommüll gelagert werden kann. Und zwar ernsthaft. Die bundesweite Suche nach einem geeigneten Standort darf kein Alibi dafür sein, die Entscheidung auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben.
Oliver Gatz