zurück
Asse-Lauge im Schacht Mariaglück:
Gemeinde Höfer fordert Aufklärung
Vertreter von K+D spricht von Einlagerung unkritischer Deckgebirgsgewässer

Mit einer Äußerung am Rande einer Sommertour brachte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am Dienstag den Stein ins Rollen. Seither wird in Niedersachsen und vor allem in Höfer diskutiert, welche Gefahr von der Lauge ausgeht, die von 2006 bis zum Juni 2008 vom Atommüll-Endlager-Bergwerk Asse zum Schacht Mariaglück in Höfer gebracht und hier eingelagert wurde.

Von Joachim Gries

HÖFER. Gefährden knapp 9000 Tonnen Lauge aus dem Atommüll-Endlager-Bergwerk Asse im stillgelegten Bergwerk Mariaglück in Höfer Mensch und Umwelt? Auf diese Frage erwarten nicht nur Höfers Einwohner eine klare Antwort. Bürgermeister Michael Cruse will gemeinsam mit Eschedes Samtgemeindebürgermeister Günter Berg und Dezernent Gerald Höhl vom Landkreis Celle so schnell wie möglich ein Gespräch mit Staatssekretär Stefan Birkner vom Umweltministerium in Hannover führen und Aufklärung verlangen. Möglichst noch in dieser Woche, denn am Montag ist in Höfer Ratssitzung, und da will Cruse, der auch Gemeindedirektor ist, die Ratsmitglieder und Bürger informieren. Auch eine Bürgerversammlung soll in der ehemaligen Bergwerksgemeinde sattfinden, sagte Cruse gestern.
"Das Land hat uns nicht informiert. So geht das nicht. Ich erwarte, dass wir nun schnell und umfassend informiert werden. Wir müssen absolut sicher sein, dass von den in das Bergwerk eingebrachten Stoffen keine Gefahren ausgehen", sagte gestern Landrat Klaus Wiswe in Celle. "Hat hier zu irgendeiner Zeit eine Gefahr bestanden, diese Frage wollen wir beantworten haben", sagte Berg in Eschede.
"Für uns ist das ganz normale Lauge. Sie ist auf der Asse freigemessen." Mit diesen Worten bestätigte gestern Klaus Rumphorst, Leiter Inaktive Werke der K+S Aktiengesellschaft, in Höfer die Angaben des Umweltministeriums in Hannover vom Vortag. Bei der im Schacht Mariaglück eingelagerten Lauge handle es sich um steinsalzgesättigte Deckgebirgsgewässer von der Südflanke des Salzstocks Asse bei Wolfenbüttel, die "nicht radioaktiv" seien. Sie würden in der Asse in der Tiefe aufgefangen, hochgepumpt und vor dem Transport gemessen. "Was wir kriegen ist frei", sagte Rumphorst.
Birkner hatte am Dienstag von natürlicher Strahlung gesprochen, die die Lauge aufweise. Vermutlich nehme das Wasser beim Fluss durch die Erde in geringen Mengen Uran 235 und 238 auf. Das am Auffangpunkt in 490 Metern Tiefe nachgewiesene Nuklid Tritium lasse sich in der Lauge nicht mehr nachweisen, so Birkner.
"Bei Laugen von der Asse wollten wir schon wissen, was Sache ist", sagte Rumphorst gestern in Höfer. Vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie lägen Genehmigungen vor, dass die Asse Laugen abgeben und dass K+S sie annehmen und im Schacht Mariaglück einlagern dürfe. Von jeder Ladung werde beim Bergwerk Asse eine Probe genommen, deshalb entfalle dieser Schritt in Höfer. Für Radioaktivität gäbe es hier auch keine Messgeräte. Sollten jetzt im Schacht Mariaglück Messungen gefordert werden, sei das Unternehmen offen. "Wir stimmen das mit unserer Aufsichtsbehörde ab."
"Wir haben keinen Anlass gesehen, die Gemeinde zu informieren. Es geht um unkritische Deckgebirgsgewässer", sagte Rumphorst. Er sei bereit, in der Sitzung des Rates der Gemeinde Höfer Rede und Antwort zu stehen.
* Flutung bis 2012: 5,4 Millionen Kubikmeter ist der Hohlraum des ehemaligen Bergwerks Mariaglück groß. Davon sind bisher 1,338 Millionen Kubikmeter mit Aschauwasser und Laugen gefüllt worden, davon sind 7208 Kubikmeter Asse-Deckgebirgslösung. Von 913 Metern Tiefe ist der Pegel inzwischen auf 765 Meter angestiegen. Die Flutung soll 2012 abgeschlossen sein.